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AWS GRÜNDERFONDS

„Es war etwas da, das gewisse Etwas.“ - Insights zum Investment an der Prewave GmbH

Wie es zu dem Investment kam und wie die Entscheidung dazu gefallen ist, haben wir mit Lekha Thailayil, der zuständigen Investment-Managerin des aws Gründerfonds, besprochen. Die auf künstlicher Intelligenz basierende Software von Prewave hilft Industrieunternehmen, Risiken in deren Lieferketten anhand von öffentlichen Informationen automatisch und frühzeitig zu erkennen. Mit diesem Informationsvorsprung kann etwaigen Lieferengpässen und Produktionsstopps rechtzeitig entgegengewirkt werden und auch das Nachhaltigkeitsmonitoring verbessert werden.

Foto: Lekha Thailayil, Investment Managerin aws Gründerfonds
Lekha Thailayil, Investment Managerin des aws Gründerfonds

So kurz nach einem Multimillionen-Dollar-Exit bist du gleich wieder mit einem neuen Investment „voll in Action“. Wie geht es dir dabei?

Lekha: Ich bin sehr zufrieden, dass wir die Transaktionen erfolgreich umsetzen konnten und Prewave hier als ein weiteres Portfoliounternehmen zu begrüßen. Die Gespräche mit Lisa Smith und Harald Nitschinger zu dieser konkreten Finanzierungsrunde haben ja bereits im Frühjahr begonnen. Durch Covid-19 gab es dann auch ganz besondere Herausforderungen zum normalen Tagesgeschäft zu bewältigen. Wir konnten dennoch das Erstinvestment an Prewave, Folgefinanzierungen und den Exit an der Themis Bioscience erfolgreich abschließen. Für die Unternehmen in meinem Portfolio war es eine sehr spannende und dynamische Zeit. 

Wie viele Portfoliounternehmen betreust du zurzeit? Was ist dein Fokus bei der Auswahl von spannenden Unternehmen? Worauf achtest du dabei besonders?

Lekha: Aktuell betreue ich acht Portfoliounternehmen. Es muss ein stimmiger Investment Case sein und hier spielen unterschiedliche Gesichtspunkte mit. Einfach gesagt, suche ich nach neuen innovativen Produkten bzw. Lösungen, die wesentliche Probleme in unserer Gesellschaft nachhaltig lösen und mit ihrem Geschäftsmodell viele Marktteilnehmer ansprechen! Das Wichtigste ist natürlich immer das Gründerteam. Die Gründer müssen uns von ihrer Vision und der Umsetzung ihrer Pläne überzeugen können. 

Was ist dir an Prewave insbesondere aufgefallen bzw. ins Auge gestochen? 

Lekha: Ich habe Lisa das erste Mal bei einer Veranstaltung des  i2c Innovation Incubation Centers der TU Wien im Jahr 2017 kennen gelernt. Zu der Zeit waren sie gerade in ein Pilotprojekt mit DHL involviert. Damals war es bereits eine Technologie mit sehr viel Potenzial und sie haben zu der Zeit unterschiedliche Usecases mit Industriekunden ausprobiert. Wir blieben immer wieder in Kontakt und so habe ich ihre Weiterentwicklung beobachtet. 2018/19 erzählten mir Lisa und Harald im Zuge unseres regelmäßigen Updategespräches, dass sie die Technologie in ein innovatives Produkt für Supply Chain Manager und Sustainability Manager weiterentwickelt haben. Mit dieser Entwicklung haben sich unsere Gespräche vertieft und sie haben mich immer mehr von ihrer Vision und dem Geschäftsmodell überzeugt. Sie haben es geschafft, bereits in einem frühen Stadium wesentliche Marktteilnehmer ihres Zielmarktes von ihrem Produkt zu überzeugen. Wir haben auch einige Referenzgespräche geführt und jeder der Gesprächspartner konnte den Nutzen und das zukünftige Potenzial bestätigen. Nun ist es an der Zeit, das Potenzial zusammen mit dem Team und mit unseren Co-Investoren zu hebeln! 

Hattest du damals schon das Gefühl, dass Prewave einmal ein Investment werden könnte?

Lekha: Es war etwas da, das gewisse Etwas. Aber ob es dann Monate bzw. Jahre später zu einem Investment kommen würde, das konnte ich damals noch nicht vorhersehen. Dafür ist der Markt viel zu dynamisch, um das abschätzen zu können. Aber wenn ein Investor sich in regelmäßigen Abständen mit einem Startup austauscht, dann ist es schon einmal ein gutes Signal für die Gründer! 

Wie seid ihr danach in Kontakt geblieben?

Lekha: Wir hatten regelmäßig Termine, Calls und trafen uns bei verschiedenen Veranstaltungen.

Wann wurde die Sache spruchreif? Was waren die ausschlaggebenden Kriterien für eine Investitionsentscheidung? 

Lekha: Mit der Firmenbucheintragung (lacht). Wesentlich für mich waren natürlich die Gründer, der Need am Markt, das Kundenknowhow im Team und die hervorragende Pipeline mit namhaften Corporates. Und noch dazu das alles in einer so frühen Phase! Gerade in unserer global vernetzten Welt sind Transparenz und Stabilität essentiell für funktionierende Lieferketten. Dieser Need wurde insbesondere in den vergangenen Monaten noch einmal stark verdeutlicht. Die digitalisierte Lösung von Prewave verschafft Unternehmen einen wertvollen Informations- und Zeitvorsprung, um Versorgungsengpässen rasch entgegenwirken zu können. Dieser USP und das positive Feedback der Investoren und vom Markt haben unsere Investmententscheidung letztlich bestätigt! 

Wie lange hat der Investmentprozess gedauert, also von LOI bis zum Signing - besonders lange, kurz oder „normal“?

Lekha: Uns war es wichtig, hier eine breite Investorenbasis aufzustellen, was uns auch gelungen ist. Ein Konsortium mit sechs institutionellen Investoren zu führen, ist natürlich nicht immer einfach, aber mit professionellen Co-Investoren wie in unserem Fall kann so ein Prozess auch sehr viel Spaß machen. Ich hatte schon längere Investmentprozesse, insofern wähle ich hier die goldene Mitte und sage „normal“. 

Was sind deine weiteren Aufgaben in der zukünftigen Zusammenarbeit? Worauf wirst du bei diesem Investment besonders achten? 

Lekha: Das Produkt ist seit Sommer 2019 gelauncht – die nächsten Monate werden für uns alle sehr spannend. Es wird sich zeigen, ob unsere Hypothesen stimmen, wie schnell das Produkt von neuen Usern angenommen wird, wie wir den Mehrwert für die Kunden noch weiter steigern können und wo eventuell noch Optimierungen vorgenommen werden müssen. All das werden wir vor allem aus erhobenen Kennzahlen lernen können. Auch interne Prozesse wie z.B. Sales, Finance, Produktentwicklung und das Team müssen der Phase entsprechend erweitert werden. Mit unserem Konsortium, das aus Fachinvestoren mit sehr viel Erfahrung und einem großartigen Netzwerk besteht, haben die Gründer allerdings tolle Sparring Partner an der Seite und damit viel Unterstützung!

Vielen Dank für das Interview!

Interviewpartnerin: Lekha Thailayil ist seit 2015 Investmentmanagerin des aws Gründerfonds. Heuer begleitete sie den Exit des Biotech Start-ups Themis Bioscience. Mit Miracor Medical Systems ist sie für ein weiteres high-potential Portfoliounternehmen aus dem Life-Science-Bereich verantwortlich. Darüber hinaus konzentriert sich Lekha Thailayil auf IT- und Deep Tech-Investitionen. Mit myClubs, Roomle, Kivu Technologies, IB Lab und seit kurzem auch Prewave managt sie mehrfach ausgezeichnete Start-ups in diesem Bereich. Zuvor war die Betriebswirtin bei der IKB Deutsche Industriebank in Frankfurt im Bereich Syndizierung tätig und davor bei der Erste Group im Bereich Capital Markets.