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VENTURE CAPITAL MAGAZIN

"Technologien mit schutzwürdiger IP und klarem USP sind besonders attraktiv"

Ralf Kunzmann im Interview mit dem Venture Capital Magazin zum Thema Disruptive Technologien

Der digitale Wandel reicht mittlerweile in fast sämtliche Lebensbereiche hinein. Mit den neuen Technologien kommen auch neue Geschäftsmodelle und damit auch interessante Investitionsmöglichkeiten für Venture Capital-Geber.

VC Magazin: Welche disruptiven Technologien werden nach Ihrer Einschätzung im Jahr 2018 von Venture Capital-Investoren als besonders interessant erachtet werden?

Kunzmann: Aus meiner Sicht sind Hochtechnologien mit schutzwürdiger Intellectual Property (IP) besonders attraktiv und aussichtsreich. Die IP kann dabei auf eine spezielle Software bezogen sein, aber auch auf eine innovative Hardware. In diesem Bereich sind sehr spannende Technologien und Anwendungen im Kommen – schutzwürdige Themen und Ideen, die zwar einerseits längere Entwicklungszeiten benötigen und oft kapitalintensiver sind als rein digitale Geschäftsmodelle, sich aber andererseits gut skalieren lassen und das Potenzial haben, ganze Industriezweige und Branchen nachhaltig zu verändern.

VC Magazin: Können Sie ein Beispiel nennen?

Kunzmann: Wir haben unter anderem die Firma CMS in unserem Portfolio – einen Hersteller von Industriespiegeln, die zu einer deutlichen Reduzierung des optischen Rauschens führen und dadurch mehr Präzision ermöglichen. Sie werden im Bereich der Hochenergie-Lasertechnik, in der Medizintechnik und in der lasergestützten Steuerung von Drohnen eingesetzt und künftig auch große Bedeutung im Bereich des autonomen Fahrens haben.

VC Magazin: Was wird noch attraktiv für Investoren sein?

Kunzmann: Wir werden uns intensiv mit Technologien beschäftigen, die starke Alleinstellungsmerkmale besitzen – Unternehmen in Bereichen mit möglichst hoher Markteintrittsbarriere: Ein starker technologischer USP ist uns sehr wichtig. Daneben sollten ein gut skalierbares Geschäftsmodell und – last, but not least – ein gutes Team vorhanden sein, das seine Vision aus dem Pitch Deck umsetzen und die Technologien marktfähig und monetisierbar machen kann. Ein interessantes Themenfeld mit viel
Potenzial ist dabei z.B. Cyber Security – die Sicherheit im Netz wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Eine Studie hat gezeigt, dass sich in einem durchschnittlichen Unternehmen mit etwa 1.000 Mitarbeitern pro Tag mehrere Hundert Vorfälle – Security Incidents – ereignen, mit denen sich dann Experten im Unternehmen beschäftigen und eventuelle Probleme oder Risiken beseitigen müssen.

VC Magazin: Sehen Sie weitere Themen?

Kunzmann: Ja, Proptech – Immobilienmanagement, -marketing, -verkauf – beispielsweise und Insurtech; hier sehen wir durchaus noch Nachholbedarf bzw. Potenzial für die weitere Digitalisierung von Geschäftsprozessen und damit verbundene Kostensenkungen. Und natürlich in den Bereichen IoT – Internet der Dinge – sowie Advanced Manufacturing, wo es darum geht, die Wertschöpfungskette zu optimieren.

VC Magazin: Wo sehen Sie Gefahren oder große Risiken für Venture Capital-Investoren im Bereich disruptiver Technologien?

Kunzmann: Zum einen bei den Preisen, die zum Teil sehr sportlich sind, gibt es Überhitzungstendenzen; das Geld muss erst einmal verdient werden. Zum anderen wird auch viel Geld in Start-ups investiert, die zwar gut skalierbar sind, aber keinen starken USP haben und daher durch niedrige Markteintrittsbarrieren
leichter angreifbar sind. Dies sehen wir teilweise schon bei so manchen Fintechs. Hier werden dem Kunden häufig kostenseitig Vorteile geboten, allerdings gibt es bei den Produkten noch wenig Innovationskraft: Um den Markt nachhaltig zu verändern, müsste auf der Produktseite mehr Neues sichtbar werden.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview!

Bernd Frank
redaktion@vc-magazin.de

12-2017 | VentureCapital Magazin

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